Ich nenne es oft Anspruch.
Andere nennen es Ehrgeiz.
Manchmal ist es einfach nur Perfektionismus.
Und lange habe ich geglaubt, dass genau das mich stark macht.
Ich bin fest angestellt, selbstständig, arbeite an eigenen Projekten. Ich bewege mich ständig zwischen Verantwortung, Erwartungen und dem Wunsch, allem gerecht zu werden. Nach außen wirkt das organisiert. Nach innen fühlt es sich oft nach ständiger Prüfung an.
Nicht, weil andere mich prüfen.
Sondern weil ich es selbst tue.
Ich sehe Fehler, die kaum jemand bemerkt. Ich spüre Unsicherheiten, die niemand ausspricht. Ich bin selten wirklich zufrieden, selbst wenn etwas objektiv gut ist. Irgendwo in mir bleibt fast immer dieser leise Gedanke: Es geht noch besser.
Und irgendwann wird aus „besser“ ein „nie genug“.
Perfektionismus fühlt sich nicht wie Stolz an. Er fühlt sich wie Anspannung an. Wie ein inneres Nachjustieren, das nie aufhört. Ich bewerte meine Arbeit, noch bevor andere es tun. Ich gehe meine Entscheidungen noch einmal durch, auch wenn sie längst gefallen sind.
Ich frage mich, ob es richtig war.
Ob es klug war.
Ob es besser gegangen wäre.
Und manchmal frage ich mich, warum es für mich so schwer ist, einfach zufrieden zu sein.
Ich kenne den Moment, wenn ich etwas abgebe. Und sofort danach nicht erleichtert bin, sondern unruhig. Weil mein Kopf noch an den kleinen Stellen hängt, die nicht perfekt sind. Die niemand sieht. Aber ich.
Perfektionismus ist kein Wunsch nach Exzellenz.
Er ist oft ein Wunsch nach Sicherheit.
Nach Kontrolle.
Nach Anerkennung.
Nach dem Gefühl, nicht angreifbar zu sein.
Ich merke, wie sehr ich mich selbst an ein Bild binde, das ich erfüllen möchte. Stark. Verlässlich. Klar. Leistungsfähig. Und wie schwer es mir fällt, mir selbst zu erlauben, einfach Mensch zu sein.
Ich bin nicht streng, weil ich hart sein will.
Ich bin streng, weil ich Angst habe, nicht zu reichen.
Und genau das ist der Punkt, an dem Perfektionismus leise beginnt, mich zu erschöpfen.
Ich kenne dieses Gefühl, innerlich leer zu sein, obwohl ich viel geleistet habe. Ich kenne diese Müdigkeit, die nicht vom Tun kommt, sondern vom inneren Druck, alles richtig machen zu müssen.
Und ich merke, dass Perfektionismus mich nicht besser macht.
Er macht mich vorsichtiger.
Und manchmal kleiner.
Heute versuche ich, mir selbst öfter etwas zu sagen. Nicht laut. Nicht als Mantra. Sondern ehrlich:
Du darfst unfertig sein.
Du darfst lernen.
Du darfst Fehler machen.
Und du darfst trotzdem wertvoll sein.
Perfektionismus will mich schützen. Aber er darf mich nicht definieren.
Ich möchte lernen, gut sein zu lassen, wenn es gut ist.
Nicht perfekt.
Nicht makellos.
Sondern ehrlich.
Vielleicht ist genau das der Moment, in dem Arbeit wieder leichter wird. Wenn ich aufhöre, mich selbst ständig zu überholen. Und anfange, mich mitzunehmen.
Nicht schneller.
Nicht besser.
Sondern echter.