Donnerstag, Februar 5, 2026
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Overthinking und Panikattacken – wenn Gedanken den Körper erreichen

Ich habe lange geglaubt, Panikattacken kommen plötzlich.
Wie ein Sturm, der ohne Vorwarnung aufzieht.

Heute weiß ich:
Oft haben sie eine lange Geschichte.

Sie beginnen nicht mit Angst.
Sie beginnen mit Denken.

Mit einem Gedanken.
Dann mit einem zweiten.
Dann mit einem dritten, der den ersten korrigieren will.
Dann mit einem vierten, der Sicherheit sucht.

Und irgendwann ist mein Kopf voller als mein Körper es tragen kann.

Overthinking fühlt sich lange nicht gefährlich an. Es fühlt sich verantwortungsvoll an. Kontrolliert. Wachsam. Als würde ich auf mich aufpassen. Als würde ich verhindern wollen, dass etwas schiefgeht.

Doch irgendwann kippt etwas.

Gedanken werden schneller.
Verzweigter.
Drängender.

Und plötzlich ist da dieses Gefühl, das sich nicht mehr nur im Kopf abspielt.

Mein Atem wird kürzer.
Mein Herz spürbarer.
Mein Brustkorb enger.

Nicht dramatisch.
Nicht sofort panisch.
Sondern leise beunruhigend.

Ich merke, wie mein Körper beginnt, etwas zu erzählen, was mein Kopf nicht mehr sortieren kann.

Panikattacken fühlen sich nicht an wie Gedanken.
Sie fühlen sich an wie Wahrheit.

Obwohl sie aus Gedanken entstehen.

Und genau das macht sie so schwer zu begreifen.

Ich kenne den Moment, in dem ich mir selbst sage: Es ist doch gerade nichts passiert.
Und gleichzeitig fühlt sich in mir alles so an, als wäre etwas sehr real passiert.

Mein Kopf versucht zu erklären.
Mein Körper reagiert.

Und ich stehe dazwischen.

Overthinking ist der Weg.
Panik ist der Punkt, an dem der Körper sagt: Es ist zu viel.

Nicht zu viel Welt.
Nicht zu viel Gefahr.
Sondern zu viel Innen.

Ich habe oft gemerkt, dass eine Panikattacke nicht in einem lauten Moment entsteht. Sondern in einem stillen. Wenn ich zu lange in meinen Gedanken war. Zu lange versucht habe, alles zu überblicken. Zu lange versucht habe, nichts falsch zu machen.

Overthinking sammelt.
Panik entlädt.

Und danach bleibt oft nur Erschöpfung.

Nicht nur körperlich.
Sondern emotional.

Ich habe mich oft gefragt, warum ich so reagiere. Warum mein Körper Dinge spürt, die mein Kopf eigentlich längst relativiert hat. Warum mein System Alarm schlägt, obwohl rational keine Bedrohung da ist.

Und irgendwann habe ich verstanden:

Mein Körper reagiert nicht auf Fakten.
Er reagiert auf Belastung.

Overthinking ist für ihn Belastung.
Auch wenn es sich für mich nach Kontrolle anfühlt.

Panikattacken sind kein Versagen.
Sie sind ein Stopp.

Ein innerer Notausgang.

Nicht, weil ich schwach bin.
Sondern weil ich zu lange stark sein wollte.

Ich habe gelernt, dass Overthinking oft aus dem Wunsch entsteht, vorbereitet zu sein. Sicher. Unangreifbar. Richtig. Doch absolute Sicherheit gibt es nicht. Und mein Körper weiß das.

Er trägt die Last, die mein Kopf nicht ablegen will.

Und irgendwann meldet er sich.

Nicht, um mir Angst zu machen.
Sondern um mich zu schützen.

Panikattacken fühlen sich bedrohlich an.
Aber sie sind keine Feinde.

Sie sind Signale.

Dass ich zu lange zu viel getragen habe.
Dass ich mir selbst zu wenig Raum gegeben habe.
Dass ich meinem Kopf mehr geglaubt habe als meinem Gefühl.

Ich lerne langsam, diese Momente anders zu betrachten. Nicht als Fehler. Nicht als Schwäche. Sondern als Grenze.

Eine Grenze, die mein System zieht, wenn ich sie selbst nicht ziehe.

Ich lerne, dass Overthinking mich nicht klüger macht, wenn es mich gleichzeitig enger macht. Und dass Kontrolle keine Sicherheit ist, wenn sie mir den Atem nimmt.

Ich bin noch nicht frei davon.
Nicht ruhig.
Nicht immer stabil.

Aber ich bin ehrlicher geworden.

Mit meinen Gedanken.
Mit meinem Körper.
Mit meiner Verletzlichkeit.

Und vielleicht ist genau das der Anfang.

Nicht weniger denken.
Nicht alles wegdrücken.
Sondern sanfter mit mir sein.

Nicht jede Panik ist ein Rückschritt.
Nicht jedes Overthinking ein Fehler.

Manches ist einfach ein Zeichen dafür, dass ich ein Mensch bin, der zu viel fühlen kann, zu viel denkt und manchmal lernen muss, sich selbst wieder Platz zu machen.

Nicht im Kopf.
Sondern im Leben.

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