Donnerstag, März 26, 2026
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Warum ich mich oft erst ernst nehme, wenn es mir schlecht geht

Es ist merkwürdig, wie leise ich mit mir bin, wenn es mir gut geht.
Und wie aufmerksam ich werde, wenn es mir schlecht geht.

Solange ich funktioniere, stelle ich mich nicht infrage.
Solange ich weitergehe, höre ich nicht hin.
Solange ich leiste, nehme ich mich nicht wirklich wahr.

Erst wenn etwas weh tut, werde ich still.

Erst dann frage ich mich:
Wie geht es mir eigentlich.
Was brauche ich.
Was habe ich zu lange übergangen.

Ich nehme mich oft erst dann ernst, wenn mein Körper müde wird.
Wenn mein Kopf nicht mehr kann.
Wenn meine Gedanken schwerer werden als sonst.

Nicht, weil ich mich selbst nicht mag.
Sondern weil ich gelernt habe, dass Stärke wichtiger ist als Wahrnehmung.

Ich habe gelernt, weiterzumachen.
Nicht innezuhalten.

Ich habe gelernt, Probleme zu lösen.
Nicht Gefühle zu halten.

Und irgendwann habe ich mir selbst beigebracht, dass es erst dann zählt, wenn es weh tut.

Wenn es mir gut geht, denke ich: Es ist alles in Ordnung.
Wenn es mir schlecht geht, denke ich: Jetzt musst du hinschauen.

Aber vielleicht ist genau das der Fehler.

Vielleicht sollte ich mich nicht erst dann ernst nehmen, wenn ich leide.
Vielleicht sollte ich mich schon dann hören, wenn ich leise bin.

Ich merke, wie oft ich meine eigenen Grenzen erst wahrnehme, wenn sie längst überschritten sind. Wie ich Müdigkeit ignoriere, solange sie noch höflich ist. Wie ich Unruhe übersehe, solange sie nicht laut wird.

Ich warte nicht bewusst auf den Schmerz.
Aber ich habe gelernt, ihn ernster zu nehmen als mich.

Und das ist vielleicht das Traurigste daran.

Ich bin freundlich zu mir, wenn es mir schlecht geht.
Aber ich bin streng zu mir, wenn es mir gut geht.

Dann verlange ich mehr.
Dann erwarte ich mehr.
Dann höre ich weniger.

Vielleicht habe ich mir selbst beigebracht, dass ich Aufmerksamkeit nur dann verdiene, wenn ich nicht mehr kann.

Aber ich möchte das langsam verlernen.

Ich möchte mich ernst nehmen, wenn ich müde bin, bevor ich erschöpft bin.
Wenn ich traurig bin, bevor ich leer bin.
Wenn ich unruhig bin, bevor ich Angst habe.

Ich möchte mich ernst nehmen, ohne dass es erst weh tun muss.

Denn ich bin nicht nur dann wertvoll, wenn ich leide.
Ich bin auch wertvoll, wenn ich still bin.
Wenn ich leicht bin.
Wenn ich nichts erkläre.

Vielleicht beginnt Selbstachtung genau dort.
Nicht im Umgang mit Schmerz.
Sondern im Umgang mit dem, was ihn verhindern könnte.

Ich lerne langsam, mir früher zuzuhören.
Nicht erst dann, wenn mein System stoppt.
Sondern dann, wenn es leise bittet.

Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem ich aufhöre, mich erst im Leiden zu sehen.
Und beginne, mich im Leben wahrzunehmen.

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