Ich bin nicht lebensmüde.
Ich bin denkermüde.
Ich habe Lust auf Leben. Auf Begegnung. Auf Gefühl. Auf Echtheit.
Aber ich habe oft keine Kraft mehr für meinen eigenen Kopf.
Nicht, weil er falsch ist.
Sondern weil er nie still ist.
Mein Denken beginnt früh. Manchmal schon vor dem Aufstehen. Es begleitet mich durch den Tag, durch Entscheidungen, durch Gespräche, durch Pausen. Und oft endet es nicht einmal dann, wenn der Tag längst vorbei ist.
Ich denke über Dinge nach, die noch kommen.
Über Dinge, die gewesen sind.
Über Dinge, die vielleicht nie passieren.
Und irgendwann merke ich: Ich bin nicht erschöpft vom Leben. Ich bin erschöpft vom inneren Kommentieren des Lebens.
Ich lebe zwischen Verantwortung und Freiheit. Fest angestellt, selbstständig, Projekte, Ideen, Möglichkeiten. Und eigentlich sollte sich genau das nach Bewegung anfühlen. Nach Weite. Nach Gestaltung.
Aber manchmal fühlt es sich an wie ein inneres Dauerlaufen ohne Ziel.
Nicht, weil ich falsch lebe.
Sondern weil ich alles zu sehr begleite.
Ich denke über Entscheidungen nach, während ich sie treffe.
Ich denke über sie nach, nachdem ich sie getroffen habe.
Und manchmal denke ich so lange darüber nach, dass ich mich selbst darin verliere.
Mein Kopf ist immer da.
Mein Gefühl kommt oft zu spät.
Und genau das macht müde.
Nicht diese große, dramatische Müdigkeit.
Sondern diese leise, tiefe Erschöpfung, die sich nicht im Körper, sondern im Inneren ablegt.
Ich merke, wie ich manchmal einfach nur noch Ruhe im Kopf will. Nicht Schlaf. Nicht Pause. Sondern Stille.
Nicht, um nichts zu sein.
Sondern um wieder etwas zu spüren.
Denn Leben fühlt sich nicht nach Denken an.
Leben fühlt sich nach Sein an.
Nach Atem.
Nach Wärme.
Nach Gegenwart.
Und genau das verliere ich manchmal zwischen meinen Gedanken.
Ich habe gelernt, viel zu reflektieren. Zu verstehen. Zu analysieren. Zu erklären. Und das hat mir oft geholfen. Aber es hat mir auch etwas genommen.
Spontanität.
Leichtigkeit.
Unschuld.
Ich bin nicht müde vom Leben.
Ich bin müde vom ständigen Verarbeiten des Lebens.
Ich möchte Momente wieder fühlen, ohne sie sofort zu bewerten. Gespräche führen, ohne sie später noch einmal innerlich zu prüfen. Entscheidungen treffen, ohne sie sofort zu relativieren.
Ich möchte lernen, wieder mehr im Erleben zu sein als im Erklären.
Vielleicht ist genau das der Unterschied.
Mein Leben ist nicht zu schwer.
Mein Denken darüber ist es manchmal.
Und vielleicht beginnt Erholung nicht mit Urlaub, nicht mit Auszeit, nicht mit Flucht. Sondern mit der Erlaubnis, nicht alles begleiten zu müssen.
Nicht jeden Gedanken ernst zu nehmen.
Nicht jede Unsicherheit zu analysieren.
Nicht jedes Gefühl zu hinterfragen.
Ich bin müde vom Denken.
Aber ich bin nicht müde vom Leben.
Und vielleicht ist genau das ein guter Anfang.
Nicht, um weniger zu fühlen.
Sondern um wieder mehr zu sein.