Ich lebe in mehreren Welten gleichzeitig.
Fest angestellt. Selbstständig. Dazu Projekte, Ideen, Verantwortung. Manchmal fühlt es sich an, als hätte mein Alltag keinen klaren Rand. Nur Übergänge.
Ich stehe auf und denke an Business.
Ich gehe schlafen und denke an Business.
Nicht, weil ich muss.
Sondern weil mein Kopf gelernt hat, dass Stillstand gefährlich ist.
Ich dachte lange, Produktivität würde mir Ruhe geben. Dass erledigte Aufgaben mein Inneres ordnen. Dass Fortschritt automatisch Frieden bedeutet. Doch je mehr ich schaffe, desto weniger spüre ich manchmal.
Abends sitze ich im Büro. Müde. Still. Und trotzdem innerlich laut.
Oder ich wache morgens auf und bin noch gar nicht richtig da – und mein Kopf ist schon mitten im nächsten Projekt.
Ich frage mich:
Was fehlt noch.
Was ist offen.
Was habe ich übersehen.
Und irgendwo dazwischen dieser Satz, der immer wiederkommt:
Ich müsste noch.
Und gleich danach:
Warum ist das für mich so schwer.
Ich kenne diesen inneren Druck. Diese Unruhe, die nicht schreit, sondern zieht. Dieses Gefühl, leer zu sein, obwohl der Tag voll war. Keine Kraft mehr zu haben, obwohl man eigentlich „funktioniert“.
Produktivität hat mir nie Ruhe gegeben.
Sie hat mir Struktur gegeben. Kontrolle. Richtung.
Aber sie hat mir selten Frieden gegeben.
Ich habe gelernt, dass Leistung Sicherheit verspricht. Aber sie hält dieses Versprechen nicht. Sie verschiebt es nur.
Ich merke, wie oft ich mich selbst antreibe, ohne es zu wollen. Wie oft ich mir erlaube, weiterzumachen, aber mir nicht erlaube, stehen zu bleiben. Wie oft ich denke, dass ich schneller sein müsste. Klarer. Weiter. Stabiler.
Dabei weiß ich innerlich längst etwas anderes.
Ich weiß, dass mein Tempo nicht falsch ist.
Ich weiß, dass mein Weg nicht zu langsam ist.
Ich weiß, dass ich mich nicht vergleichen müsste.
Und trotzdem tue ich es.
Vielleicht ist genau das der Punkt. Dass wir oft genau wissen, was wir bräuchten – es uns aber selbst am wenigsten erlauben.
Wenn ich ehrlich bin, möchte ich mir selbst etwas sagen. Nicht laut. Nicht als Motivation. Sondern als Erlaubnis:
Lass dir Zeit.
Du musst es nicht schneller machen als die anderen.
Du darfst es in dem Tempo tun, das sich für dich sinnvoll anfühlt.
Produktivität war lange mein Maßstab.
Heute merke ich: Ruhe wäre der ehrlichere.
Nicht die Ruhe des Feierabends.
Nicht die Ruhe nach erledigten Aufgaben.
Sondern die Ruhe, mir selbst nicht mehr hinterherzulaufen.
Ich bin nicht erschöpft, weil ich zu wenig kann.
Ich bin erschöpft, weil ich mir selbst zu wenig Raum lasse.
Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem ich aufhöre, Produktivität mit Wert zu verwechseln. Und beginne, mich nicht mehr nur über das zu definieren, was ich leiste, sondern über das, was ich spüre.
Ich lerne langsam, dass ich nicht schneller sein muss.
Nicht lauter.
Nicht härter.
Sondern ehrlicher.
Mit mir.