Donnerstag, Februar 5, 2026
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Ich merke, wie sehr Overthinking mich lenkt

Ich lebe in mehreren Arbeitswelten gleichzeitig.

Fest angestellt.
Selbstständig.
Eigene Projekte, Kunden, Ideen, Deadlines.

Manchmal fühlt es sich an, als hätte mein Alltag keinen klaren Anfang und kein echtes Ende. Nur Übergänge.

Ich wache morgens auf und denke nicht zuerst an den Tag. Ich denke an Aufgaben. An Mails. An Dinge, die noch offen sind. An Entscheidungen, die ich treffen muss. Noch bevor ich richtig wach bin, bin ich schon im Funktionieren.

Abends sitze ich oft noch am Laptop. Vielleicht eigentlich nur kurz. Vielleicht nur, um etwas zu prüfen. Und plötzlich ist wieder Zeit vergangen. Nicht, weil es dringend war. Sondern weil mein Kopf nicht loslassen konnte.

Overthinking lenkt mich nicht mit Druck.
Es lenkt mich mit Verantwortung.

Mit diesem inneren Satz:
Ich müsste noch.

Und gleich danach:
Warum ist das für mich so schwer?

Ich kenne diesen Moment, wenn ich Zahlen sehe. Klicks. Aufrufe. Ergebnisse. Und obwohl objektiv vieles gut läuft, fühlt es sich innerlich nicht ruhig an. Sondern wie ein stilles Weiterdenken.

Was wäre, wenn es besser ginge.
Was fehlt noch.
Was habe ich übersehen.

Ich merke, wie ich mich oft selbst vergleiche. Nicht laut. Nicht offen. Aber innerlich. Mit Menschen, die scheinbar leichter wirken. Klarer. Schneller. Stabiler. Und dann frage ich mich, warum mein Weg sich manchmal schwerer anfühlt, obwohl ich ihn bewusst gewählt habe.

Ich habe Möglichkeiten.
Ich habe Freiheit.
Ich habe Gestaltungsspielraum.

Und trotzdem fühle ich mich manchmal leer. Müde. Kraftlos. Nicht, weil ich zu wenig tue – sondern weil mein Kopf alles begleitet, bewertet, kontrolliert.

Overthinking macht aus meinem Alltag eine innere Dauerprüfung.

Bin ich weit genug.
Bin ich klar genug.
Bin ich gut genug.

Und irgendwo dazwischen verliere ich manchmal den Blick dafür, dass ich überhaupt schon viel gegangen bin.

Ich kenne dieses Gefühl, am Wochenende eigentlich frei zu haben – und innerlich trotzdem nicht wirklich frei zu sein. Gedanken an Projekte. An Ideen. An Dinge, die man noch optimieren könnte. Nicht aus Zwang. Sondern aus Gewohnheit.

Mein Kopf kennt keinen Feierabend.

Ich merke, wie sehr Overthinking mein Tempo bestimmt. Wie ich mir selbst selten erlaube, einfach zu sagen: Es reicht für heute. Wie ich oft glaube, noch etwas beweisen zu müssen – obwohl niemand außer mir selbst diesen Beweis fordert.

Und trotzdem ist da diese Stimme in mir, die ich eigentlich kenne:

Lass dir Zeit.
Du musst es nicht schneller machen als die anderen.
Sondern in dem Tempo, das für dich Sinn macht.

Ich weiß das.
Aber ich verliere es im Alltag immer wieder.

Overthinking lenkt mich weg von dieser Wahrheit. Es macht mich vorsichtiger, als ich sein müsste. Zweifelnder, als ich sein will. Und manchmal härter zu mir, als ich es bei anderen je wäre.

Ich denke über Gespräche nach, die längst vorbei sind.
Ich denke über Entscheidungen nach, die längst gefallen sind.
Ich denke über Möglichkeiten nach, die vielleicht nie kommen.

Und währenddessen bin ich weniger im Moment, als ich es mir eigentlich wünsche.

Manchmal sitze ich einfach nur da und merke:
Ich bin nicht körperlich müde.
Ich bin gedanklich erschöpft.

Ich merke, wie sehr Overthinking mich lenkt. In meiner Arbeit. In meinem Selbstbild. In meinem Gefühl für mich.

Und trotzdem weiß ich: Es ist kein Feind. Es ist ein Schutz. Einer, der mich vor Fehlern bewahren will. Vor Kritik. Vor dem Gefühl, nicht zu reichen.

Aber Schutz ist nicht dasselbe wie Freiheit.

Ich möchte lernen, meinem eigenen Tempo wieder mehr zu vertrauen. Nicht schneller zu sein. Sondern ehrlicher. Nicht perfekter. Sondern ruhiger.

Ich möchte lernen, dass ich nicht alles durchdenken muss, um es leben zu dürfen.

Und vielleicht beginnt genau hier etwas Neues. Nicht indem ich Overthinking abschalte. Sondern indem ich ihm nicht mehr erlaube, für mich zu entscheiden.

Nicht jeder Gedanke ist Wahrheit.
Nicht jede Unruhe ist ein Auftrag.
Nicht jeder Zweifel ist richtig.

Vielleicht darf ich mir selbst wieder mehr glauben als meinem Kopf.

Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem Overthinking mich nicht mehr lenkt – sondern nur noch begleitet.

Leiser.
Sanfter.
Und weniger bestimmend.

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