Freitag, Februar 13, 2026
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Warum ich mir selbst oft weniger vertraue als meinen Gedanken

Ich merke, wie oft ich meinen Gedanken mehr glaube als mir selbst.

Nicht, weil sie klüger sind.
Sondern weil sie lauter sind.

Mein Gefühl ist leise.
Mein Kopf ist überzeugend.

Und meistens gewinnt der Kopf.

Ich spüre etwas. Eine Ahnung. Ein inneres Wissen. Ein Bauchgefühl. Doch kaum ist es da, kommt der Gedanke. Hinterfragt es. Relativiert es. Zerlegt es. Und am Ende bleibt nicht das Gefühl, sondern die Analyse.

Ich lebe in vielen Rollen. Fest angestellt. Selbstständig. Projekte. Verantwortung. Und in all diesen Bereichen habe ich gelernt, auf meinen Kopf zu hören. Zu planen. Zu denken. Zu bewerten. Zu vergleichen.

Aber ich habe nie gelernt, meinem Gefühl zu vertrauen, wenn es keine Argumente liefert.

Ich kenne diesen Moment sehr gut. Wenn ich innerlich eigentlich weiß, was mir gut tut. Was mir zu viel ist. Was sich nicht richtig anfühlt. Und trotzdem suche ich nach Gründen, es mir selbst auszureden.

Mein Kopf sagt: Du übertreibst.
Mein Gefühl sagt: Es tut weh.

Und ich höre auf den Kopf.

Mein Kopf sagt: Das ist doch nicht so schlimm.
Mein Gefühl sagt: Es ist zu viel.

Und ich höre auf den Kopf.

Ich frage mich oft, wann ich angefangen habe, mir selbst zu misstrauen. Wann ich begonnen habe, meine Wahrnehmung erst dann ernst zu nehmen, wenn sie sich logisch erklären lässt.

Ich merke, wie sehr Overthinking dabei hilft, Abstand zu mir selbst zu halten. Denn solange ich denke, muss ich nicht fühlen. Solange ich analysiere, muss ich mich nicht entscheiden. Solange ich überlege, muss ich nicht vertrauen.

Und genau da entsteht diese leise Entfremdung.

Ich vertraue meinem Kopf, weil er sicher wirkt.
Ich misstraue meinem Gefühl, weil es verletzlich ist.

Dabei war mein Gefühl oft früher richtig. Nur nicht lauter.

Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich innerlich wusste: Das passt nicht. Das ist zu viel. Das ist nicht mein Weg. Und trotzdem bin ich geblieben. Habe weitergemacht. Habe mich angepasst. Weil mein Kopf mir erklärt hat, warum es vernünftig ist.

Mein Gefühl hat nie geschrien.
Es hat nur leise gezogen.

Und ich habe gelernt, dieses Ziehen zu ignorieren.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich mich manchmal leer fühle, obwohl ich viel tue. Warum ich unruhig bin, obwohl alles eigentlich funktioniert. Warum ich müde bin, obwohl mein Leben aktiv ist.

Weil ich oft nicht bei mir bin.
Sondern bei meinen Gedanken über mich.

Ich merke, wie schwer es mir fällt, mir selbst zu glauben. Nicht anderen. Nicht Systemen. Nicht Zahlen. Sondern mir.

Meinem Empfinden.
Meiner Grenze.
Meiner Müdigkeit.
Meinem Wunsch nach Tempo.

Und dabei weiß ich eigentlich etwas ganz Einfaches.

Ich darf mir vertrauen.
Auch ohne Beweis.
Auch ohne Erklärung.
Auch ohne Vergleich.

Aber genau das ist das Schwerste.

Denn Vertrauen ist kein Gedanke.
Es ist ein Gefühl.

Und Gefühle habe ich lange verlernt ernst zu nehmen.

Ich bin gut darin, mich zu analysieren.
Ich bin schlechter darin, mich zu halten.

Vielleicht beginnt genau hier etwas Neues. Nicht, indem ich weniger denke. Sondern indem ich mir selbst wieder zuhöre. Nicht nur, wenn ich es erklären kann. Sondern wenn ich es spüre.

Ich möchte lernen, meinem inneren Wissen wieder Raum zu geben. Nicht als absolute Wahrheit. Aber als gleichwertige Stimme.

Nicht alles, was ich fühle, ist logisch.
Aber vieles ist ehrlich.

Und vielleicht ist genau das der Unterschied.

Mein Kopf will mich schützen.
Mein Gefühl will mich führen.

Und vielleicht darf ich lernen, beiden zuzuhören – ohne mich selbst dazwischen zu verlieren.

Ich vertraue meinen Gedanken oft mehr als mir selbst.
Aber ich beginne zu verstehen, dass genau das mich manchmal von mir entfernt.

Und vielleicht ist Vertrauen kein Ziel.
Sondern ein leiser Weg zurück.

Zu mir.

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