Donnerstag, Februar 5, 2026
StartSoul-Business & BalanceWenn alte Wunden neue Räume finden – Mobbing im Erwachsenenalter verstehen

Wenn alte Wunden neue Räume finden – Mobbing im Erwachsenenalter verstehen

Mobbing endet nicht mit der Schulzeit.
Es verändert lediglich seine Form.

Am Arbeitsplatz zeigt es sich oft leiser, subtiler und dadurch schwerer greifbar. Es sind keine offenen Beleidigungen, sondern Blicke, Auslassungen, gezielte Abwertungen, das Übergehen von Leistungen oder das systematische Infragestellen der eigenen Kompetenz. Worte, die doppeldeutig sind. Schweigen, wo Unterstützung nötig wäre. Situationen, in denen man spürt: Ich bin hier nicht sicher.

Für Betroffene ist Mobbing am Arbeitsplatz besonders belastend, weil Arbeit mehr ist als ein Ort des Tuns. Sie ist Existenzgrundlage, Struktur, Identität, manchmal auch Hoffnung. Wenn dieser Raum vergiftet wird, beginnt der innere Rückzug. Zweifel schleichen sich ein. Gedanken kreisen. Das eigene Selbstbild gerät ins Wanken.

Viele Menschen beginnen, sich selbst infrage zu stellen, statt das System zu hinterfragen, in dem sie sich bewegen. Sie fragen sich, ob sie zu sensibel sind, zu wenig leisten, zu viel fühlen. Genau hier liegt eine der größten Verletzungen von Mobbing: Es verschiebt die Verantwortung nach innen, obwohl die Ursache im Außen liegt.

Warum mobben Erwachsene?

Mobbing im Erwachsenenalter entsteht selten aus Stärke. Viel häufiger zeigt es sich dort, wo Menschen nie gelernt haben, mit eigenen Unsicherheiten, Ängsten oder inneren Konflikten umzugehen. Wo Macht als Schutzschild dient, um sich nicht mit der eigenen Verletzlichkeit auseinandersetzen zu müssen. Alte Prägungen, ungelöste Erfahrungen aus der Kindheit oder frühere Ohnmachtserlebnisse suchen sich neue Räume – und finden sie oft dort, wo Hierarchien bestehen.

Der Arbeitsplatz wird dann zur Bühne für alte Muster. Für Kontrolle statt Verbindung. Für Abwertung statt Dialog.

Besonders schmerzhaft ist, dass Mobbing im beruflichen Kontext oft lange unentdeckt bleibt oder relativiert wird. Aussagen wie „Das ist halt der Ton hier“, „Da musst du drüberstehen“ oder „So meint er das nicht“ lassen Betroffene zusätzlich verstummen. Denn wer nicht gehört wird, beginnt irgendwann, sich selbst zu verlieren.

Was Mobbing im Inneren hinterlässt

Mobbing am Arbeitsplatz erschüttert das Vertrauen – nicht nur in Kolleg*innen oder Vorgesetzte, sondern in sich selbst. Es verletzt das Gefühl von Sicherheit und Würde. Viele Betroffene entwickeln körperliche Symptome, Schlafstörungen, innere Unruhe oder emotionale Erschöpfung. Manche verlieren den Zugang zu ihrer eigenen Kraft, andere funktionieren nur noch.

Und doch ist es wichtig, eines klar zu benennen:
Mobbing definiert nicht den Wert eines Menschen.

Es zeigt nicht, wer du bist.
Es zeigt, was in anderen ungelöst geblieben ist.

Aufklärung über Mobbing am Arbeitsplatz bedeutet deshalb nicht Anklage, sondern Bewusstwerdung. Es bedeutet hinzuschauen, zu benennen, was verletzt, und Räume zu schaffen, in denen Würde, Respekt und Menschlichkeit wieder ihren Platz finden dürfen.

Denn Arbeit darf fordern.
Aber sie darf nicht zerstören.

„Mobbing am Arbeitsplatz ist keine Schwäche der Betroffenen –
es ist ein Ausdruck ungelöster Ängste derer, die es ausüben.“

Anna
Anna
Ich bin Anna, Familienmanagerin & alleinerziehende Mama mit Herz & Verstand, Bloggerin für echte Alltagsmomente, zertifizierte psychologische Beraterin mit Leidenschaft & Selbstständig aus achtsamer Überzeugung
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