Donnerstag, März 26, 2026
StartDer Ruf deiner SeeleWenn ich mich selbst im Denken verliere

Wenn ich mich selbst im Denken verliere

Es gibt Momente, in denen ich merke: Ich bin da – aber nicht bei mir.

Ich funktioniere.
Ich reagiere.
Ich denke.

Aber ich bin nicht wirklich anwesend.

Mein Kopf ist voll mit Gedanken, mit Möglichkeiten, mit Bewertungen. Und irgendwo dazwischen verliere ich das Gefühl dafür, wie es mir eigentlich geht.

Nicht dramatisch.
Nicht plötzlich.
Sondern leise.

Ich verliere mich nicht in großen Krisen.
Ich verliere mich in kleinen Gedankenschleifen.

In Fragen wie:
War das richtig?
Hätte ich anders reagieren sollen?
Was denken die anderen?
Was bedeutet das jetzt?

Und während ich darüber nachdenke, entferne ich mich ein Stück weiter von mir selbst.

Ich merke oft erst im Nachhinein, dass ich gar nicht wirklich da war. In Gesprächen. In Momenten. In Entscheidungen. Ich war im Kopf. Nicht im Erleben.

Ich habe zugehört – aber innerlich analysiert.
Ich habe gesprochen – aber mich dabei beobachtet.
Ich habe gehandelt – aber mich dabei bewertet.

Und irgendwann fühlt sich alles ein bisschen fremd an. Nicht falsch. Aber nicht ganz echt.

Ich verliere mich nicht, weil ich zu wenig fühle.
Ich verliere mich, weil ich zu viel denke.

Mein Denken ist wie ein Filter. Es legt sich zwischen mich und das Leben. Es macht alles erklärbar, aber nicht immer spürbar.

Ich weiß oft genau, warum ich etwas tue.
Aber ich weiß nicht mehr, ob es sich richtig anfühlt.

Und das ist der Moment, in dem ich merke: Ich bin mir selbst ein Stück entglitten.

Nicht, weil ich mich nicht kenne.
Sondern weil ich mich nicht mehr wahrnehme.

Ich habe gelernt, mich zu beschreiben.
Aber ich habe verlernt, mich zu spüren.

Mein Kopf erzählt mir, wer ich bin.
Mein Gefühl bleibt dabei oft still.

Und vielleicht ist genau das das Verlorengehen.

Nicht das Wegsein.
Sondern das Nicht-mehr-hinhören.

Ich merke, wie schwer es mir fällt, einfach nur zu sein, ohne mich zu beobachten. Ohne mich zu kommentieren. Ohne mich zu bewerten.

Einfach nur zu fühlen, was da ist.
Ohne es gleich einzuordnen.

Denn jedes Einordnen schafft Abstand.
Und jeder Abstand nimmt mir ein Stück Nähe zu mir selbst.

Ich verliere mich nicht, weil ich schwach bin.
Ich verliere mich, weil ich zu aufmerksam bin.

Zu aufmerksam für alles im Außen.
Und zu wenig aufmerksam für das, was in mir geschieht.

Vielleicht beginnt Wiederfinden nicht damit, neue Antworten zu suchen.
Sondern damit, wieder Fragen zuzulassen, die nicht sofort beantwortet werden müssen.

Wie geht es mir wirklich.
Nicht logisch.
Nicht vernünftig.
Sondern ehrlich.

Ich möchte lernen, mich nicht mehr nur zu verstehen.
Sondern mich wieder zu fühlen.

Nicht perfekt.
Nicht klar.
Aber nah.

Denn ich bin nicht verloren.
Ich bin nur oft zu weit in meinen Gedanken.

Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem ich langsam zurückkomme.

Nicht mit einem großen Schritt.
Sondern mit einem leisen.

Zu mir.

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